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Eine Foto-Lovestory

KAWASAKI ZR 550 ZEPHYR: Viel Umbau für wenig Geld

2 MONATE, 2000 EURO, EIN TRAUM.

UMBAU // RAPHAEL OHLIGS
TEXT UND FOTOS // MONIKA SCHULZ

VON DER VERRANZTEN IMMOBILIE ZUM CUSTOMBIKE. FRONTAL-SCHRAUBER-STORY FÜR ANFÄNGER UND FORTGESCHRITTENE AM BEISPIEL EINER KAWASAKI ZR 550 ZEPHYR, BAUJAHR 1991.

Alex ist raus, hat hingeschmissen – auf etwa halber Strecke. Keine Böcke mehr. Oder so was in der Art. Seine Immobilie steht jetzt auf Ebay Kleinanzeigen: Mattschwarz, vermutlich selbst gestrichen. „An Bastler abzugeben. Reifen und Kette neu. Kein TÜV. Motor springt an. VB 350,- Euro.“ Genau unser Ding. Klassischer Vierzylinder, stark verpilzt. Eine Zephyr 550, Baujahr 1991. Sie steht bei Nürnberg, eineinhalb Stunden Fahrt, Alex ist auf Empfang. „Klar, kommt vorbei.“ Es geht los, unser Projekt, ambitioniert, aber nicht wirklich verrückt: für 2000 Euro in acht Wochen von der Möhre zum Traum-Bike.

350 Euro für eine Zephyr, der Anstand gebietet bei so einem Preis, nicht weiter zu verhandeln.

Allerdings ist die 550er auch keinen Cent mehr wert. Alex weiß das. Wir wissen das. Und Alex’ Bruder weiß es auch. Sie läuft natürlich nicht, obwohl die Brüder alles geben: mit Überleitkabel, Startpilot, Tropf am Vergaser – Direkteinspritzung quasi, aus dem Benzinkanister. Weil aus dem Tank, da kommt einfach nix raus. „Also drin ist was. Guck. Ich hab den sogar extra noch von innen beschichtet, wegen Rost und so.“ Oha. „Keine Ahnung, sitzt bestimmt nur ’ne Kleinigkeit vorm Loch.“ Klar. Halb so wild. Das kriegen wir. Lasst uns den Ofen mal in den VW Bus tragen. Tragen, ja. Es ist nämlich so, dass die Maschine nicht nur nicht läuft, sie lässt sich auch nicht wirklich schieben. „Vielleicht Kette zu stramm gespannt. Die ist neu.“ Ah, cool.

„Es war nicht die Kette.“ Raphael sortiert gerade den Kabelbaum der komplett zerlegten Kawa. Auseinander geht ja immer ratzfatz.

„Es lag am hinteren Bremssattel.“ Genauer an dessen Befestigung. Die Schrauben standen hinten raus und blockierten dummerweise die Bremsscheibe. „Hat er gut angezogen, der Alex.“ Vielleicht war’s aber gar nicht Alex, vielleicht hat Hasan die zu langen Bolzen da rein gedreht. Oder Knuth. Oder Björn. Die Liste der Vorbesitzer ist lang, Raphael ist Nummer 9. Und Nummer 9 hat sich einiges vorgenommen. Ja, auch den Rahmen. „Muss sein. Du ärgerst dich nachher bloß, wenn alles gemacht ist, nur die Basis nicht.“ Er weiß inzwischen ziemlich genau, wo die Reise hingehen soll: vor allem in die Tiefe. Front, Sitzbank, Heck, alles flacher – und hinten, natürlich, kürzer. Aha. Wenn er meint. Die Rollenverteilung ist klar: Raphael ist der Chef, ich bin die Chronistin, halte mich weitgehend raus, hole Bier, gebe schlaue Ratschläge und mentalen Beistand, wenn nötig. Meinen skeptischen Blick deutet Raphael richtig: „Hab Bilder gemacht, von allen Details, hier, mit dem Handy, für den Fall, dass mich mein Gedächtnis beim Zusammenbau im Stich lässt.“ So isser, der 28-Jährige.

Raphael, Verfahrensmechaniker, Buell- Fahrer, Tuning-Freak. Kein angelernter, sondern geborener Custom-Biker.

Als Eineinhalbjähriger beschloss er, seinen Mittagsschlaf fortan in der Garage abzuleisten, im Sattel einer Yamaha XS 650. Als Siebenjähriger schraubte er den Rasenmähermotor unters höhergelegte Kettcar. Sein erster Motorradumbau, logisch: die XS. Er war elf, die Maschine danach im Eimer. „Aber das Kapitel XS ist noch nicht abgeschlossen“, lacht er, „die mach ich nach der Kawa.“ Sie steht noch genauso in der großelterlichen Zimmerei, wie er sie vor 17 Jahren abgedeckt hat.

Für den 2000-Euro-Umbau musste es jedoch eine andere Maschine sein. „Bei der XS holst du als Amateur nichts heraus. Genau wie bei einer Honda Four oder Yamaha SR. Da gibt es so viele Vorbilder – richtig gute. Und du schraubst denen nur hinterher, entwickelst keine eigenen Ideen. Danach gibt es eben noch eine SR, noch eine Four, nur nicht ganz so gut. Weil dir die Kohle fehlt oder die Zeit oder die Fertigkeit.“ Die Zephyr kommt da gerade recht: klare Linie, schöner Vierzylindermotor, genug Überflüssiges zum Abbauen, manches Detail hässlich genug, dass man es mit Freude ersetzt.

„Überhaupt ist das der schönste Teil der Geschichte, sich immer wieder vorzustellen, wie dieses oder jenes später, im Gesamtkonzept rüberkommen wird.

Das Kribbeln im Bauch, wenn du nach endlosem Hin und Her deine Bestellung aufgibst. Und dann erst, wenn der Karton kommt! Wie Weihnachten und Glemseck 101 zusammen.“ Als Raphael auf den Bestellknopf gedrückt hat, war der Warenkorb im POLO Online Store ziemlich voll: Fußrasten, Handhebel, Griffe, Blinker, Scheinwerfer, Spiegel, Bremsleitungen, Zündkabel, Öltemperaturgeber, Gewindeschneider, Polierset: 1251,77 Euro. Alles noch im grünen Bereich: macht jetzt zusammen mit der Kawa rund 1600 Steine. Bleiben noch 400 für Lacke, Glasfasermatten, Polyesterharz – jawohl, die Höckersitzbank wird selbst gemacht. Kein Hexenwerk, sagt Raphael. „Und das Zeug kriegst du billig im Baumarkt.“

Fünf Tage später: Raphael schleift. Die Felgen. „Keine Ahnung, was die mit den Dingern gemacht haben.

Sind total vergilbt. Und schau dir diese fiesen grünen Spritzer an. So richtig fetter Landmaschinenlack. Geht kaum runter. Die haben einen Traktor oder so neben der Maschine gestrichen.“ Der Rahmen ist vom Sandstrahlen und Pulverbeschichten zurück. Orange. „War gerade im Angebot. 300 Euro, alles in allem. Mit Gabelbrücke und Fußrastenhalteplatten. Ist doch geil, oder?“ Ist es. Und der Rahmen so schön kurz. Laura, Raphaels Freundin, muss lachen. „Ja, der wurde immer kürzer, wozu braucht man eine Doppelsitzbank.“ Raphael schleift weiter. „Leute, ich hab den TÜV-Mann gefragt, der sagte, das sei noch im Rahmen.“ Gute Pointe. Darauf ein Bier, und danach zur 1000er-Körnung. Nassschliff, weil’s einfach besser wird. Man könnte die Felgen zur Aufbereitung auch weggeben. Kostet vielleicht 150 Euro pro Stück. Sprengt aber leider unser Budget. „Außerdem ist es auch schön, da langsam etwas richtig Gutes zum Vorschein zu bringen.“

Zehn Tage später: Raphael schleift, Laura schleift auch, und morgen kommt Tom zum Mitschleifen.

Bei der ersten Felge war es noch ganz toll, das Ergebnis der Hammer! „Aber einmal erlebt und gesehen, reicht eigentlich.“ Es musste zwischendrin ja auch noch ein bisschen was anderes geschliffen werden: der Tank, die Gabeltauchrohre, die Schwinge. Man schleift ziemlich viel bei so einem Umbau. Und man spachtelt auch viel und zinnt womöglich, zumindest, wenn man einen Alex-Tank hat.

Der Spritbehälter hatte sich als Fass ohne Boden entpuppt. Nachdem der Lack mal ab war, zeigte sich das Ausmaß der Katastrophe.

„Den hätte man auch wegwerfen können. Spachtelmasse, daumendick! Die muss mal ganz schön weit geflogen sein, die kleine Kawa. Ein Gabelholm ist übrigens auch undicht.“ Haben wir etwa am falschen Ende gespart? „Iwo! Das muss so sein. Da kannst du wenigstens bedenkenlos alles ausprobieren.“ Der Höcker hat über die Tage Gestalt angenommen und zur Sicherheit zwei Aluprofile im Sitzbereich als Verstärkung bekommen. Laura schleift gerade die Seitendeckel. Das wollten wir eigentlich nicht. Also weder, dass Laura so viel schleift noch die Deckel. Es hätten offene Ansaugtrichter werden sollen. Aber da schüttelte der Herr TÜV arg mit dem Kopf. Im Straßenverkehr: no way. Na dann, weiterschleifen. Und Lackieren? „Gehört zu dem, was am meisten Spaß macht“, strahlt Raphael. „Das ist fast so schön wie später der Zusammenbau. Du gestaltest. Siehst, wie deine Ideen Form und Farbe annehmen. Aus der Spraydose, klar, das geht einwandfrei, wenn man gut vorgearbeitet hat.“

Wir schreiben die sechste Woche nach Stunde Null. Die Möhre als solche ist nicht mehr unter uns, jedes einzelne Teil bis zu 33 000 Mal durch Raphaels Hände gegangen.

Die vordere Felge ... „Schwamm drüber.“ Er muss jetzt Ergebnisse sehen. Jeden Tag nach Feierabend vier bis fünf Stunden und mehr als eine Nachtschicht in der Garage. „Der Rest kommt im nächsten POLO Magazin. Federbeine und Gabel überholen, Vergaser reinigen und einstellen, du willst doch immer Geschichten.“ Er schraubt die ganze Nacht. Dann noch eine. Die meisten Teile vertragen sich auf Anhieb, die LED-Rücklichtblinker und der alte Kabelbaum nicht: Das Licht brennt, aber bis die Blinker endlich blinken. Bremsen entlüften und den fetten Luftfilterkasten reinfrickeln – noch eine Nacht. Zum Schluss der Höcker, „das war das Aufregendste“, passt das noch alles, mit dem Kennzeichenhalter, mit dem Hinterreifen, mit den laschen Federbeinen, die unter Belastung bedenklich in die Knie gehen? Es passt. Und dann findet Raphael dieses alte dicke Leder, seit Jahren davon geträumt, genau diiieses Leder... Claudi, gute Mutter, erbarmt sich, näht den Sitzbankbezug. „Daytona-Naht, bitte.“ Nach sieben Wochen, etwa 30 Einsätzen und rund 150 Stunden zwischen drei Garagenwänden lädt Raphael zum feierlichen Anlassen: „Motor springt an, Reifen, Kette neu, TÜV is coming soon.“ Er lacht, ist glücklich, sie läuft, er hat es geschafft. „Würde mich beim nächsten Mal nur mit der Unterseite der Schwinge nicht mehr so abmühen. Sieht man ja nur beim Wheelie.“

WIE VIELE EURO SIND 7 TAGE?

Das ganze Leben ist ja ein Gegengeschäft, und da wir zeitlich nun eine Woche gespart haben, möchten wir beim Kassensturz nicht kleinlich sein. Zumal das Ergebnis auch viel zu schön ist, um es mit Zahlen zu zerstören. Nehmen wir also den Rechenschieber:

IMMOBILIE: 350,- Euro Kawasaki Z 550 Zephyr, Bj. 1991

GEPLANTE KOSTEN: 1300,- Euro ABM Handhebel Synto, Speed Brakes Bremsleitungen, Rizoma Sport Line Griffe, Highsider Lenkerendenspiegel Montana, ShinYo Hauptscheinwerfer, Rizoma Club LED-Blinker und Blinker/ Rücklicht, MFW Fußrasten, MDESIGN Kennzeichenhalter Dragon, Hi-Q Ölfilter, K&N Dauerluftfilter, Hashiru Öltemperaturmessstab, Zündkabel, NGK Iridium Zündkerze, Hi-Q Tools Gewindeschneider, Alu Magic Aluminium-Politur, Hi-Q Profi-Polierset, Öl, Bremsflüssigkeit etc.

UNGEPLANTE KOSTEN: 500,- Euro Rahmen sandstrahlen und pulverbeschichten, Lithium-Ionen-Batterie, Kleinzeugs

SCHLEIFMITTEL, LACKE: 180,- Euro Macht: 2330,- Euro plus alles, was wir gnädig vergessen haben. In Summe sind sieben Tage also recht günstig

NOCH MEHR UMBAU-PROJEKTE...

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